Klimawandel
Gesundheitliche Auswirkungen
Wie wirkt sich der Klimawandel auf menschliche Gesundheit aus?
Der Klimawandel wirkt sich sowohl direkt als auch indirekt negativ auf die menschliche Gesundheit aus. In der folgenden Abbildung des Robert Koch-Instituts sind die direkten und indirekten Auswirkungen des Klimawandels dargestellt. Zudem beeinflussen soziale Faktoren das Ausmaß der Betroffenheit ganz wesentlich (beispielsweise sind alte Menschen in einer Dachwohnung in der Innenstadt mehr durch Hitze gefährdet als jüngere Menschen in einem alleinstehenden Einfamilienhaus am Waldrand). Die Abbildung wird im Folgenden noch schriftlich erläutert.
Die direkten Auswirkungen entstehen vor allem durch folgende Aspekte:
- Steigende Temperaturen: Es kommt zu einer Zunahme der Dauer und Intensität von Hitzewellen, die eine starke gesundheitliche Belastung für vulnerable Gruppen (v.a. Kleinkinder und ältere Menschen, Menschen mit chronischen Erkrankungen, obdachlose Menschen) darstellen. Neben direkten Hitze-assoziierten Erkrankungen (z.B. Hitzschlag) kann es zu einer Verschlechterung bestehender Erkrankungen kommen (z.B. Dekompensation von Herz-/ Niereninsuffizienz) [1].
- Vermehrte Extremwetterereignisse: Durch eine Zunahme von zum Beispiel Überschwemmungen oder Stürme wird sowohl die physische als auch die psychische Gesundheit von betroffenen Personen gefährdet [2].
Die indirekten Auswirkungen des Klimawandels werden über verschiedene Pfade vermittelt.
- Luftqualität: Klimaschädliche Prozesse, wie die Verbrennung von Braunkohle, führen häufig zu einer Verschlechterung der Luftqualität. Diese wiederum hat negative Auswirkungen auf Herz-Kreislauf- und respiratorische Erkrankungen [3].
- Einfluss auf UV-Strahlung: Über drei Wege beeinflusst der Klimawandel die Exposition gegenüber UV-Strahlung: 1) Es wird angenommen, dass ‚Ozonniedrigereignisse‘ begünstigt werden, sodass phasenweise aufgrund von Ozon-armen Luftmassen weniger UV-Strahlung gefiltert wird. 2) Warme Temperaturen führen dazu, dass Menschen mehr Zeit draußen verbringen und weniger Haut mit Kleidung bedecken. 3) Der Klimawandel trägt zu einer Reduktion der Bewölkung und damit zur geringeren UV-Filterung bei. Dieser Einfluss wirkt sich negativ auf das maligne Melanom, den nicht-melanotischen Hautkrebs, aber auch auf die Augen aus (Photokeratitis, Photokonjunktivitis, photochemische Netzhautschäden, Katarakt) [4].
- Allergien und Klimawandel: Neue allergene Pflanzen (z. B. beifußblattriges Traubenkraut = Ambrosia artemisiifolia) finden zunehmend passende klimatische Wachstumsbedingungen in Deutschland. Dies führt zu einer stärkeren Belastung von Menschen mit saisonaler Rhinitis und allergischem Asthma bronchiale. Auch die Pollensaison verlängert sich. Im Kapitel „Allergien“ finden Sie hierzu mehr Informationen.
- Verbreitung von Vektoren: Einerseits können sich durch veränderte klimatische Bedingungen bereits in Deutschland ansässige Vektoren (z.B. Ixodes ricinus) geographisch weiterverbreiten, andererseits können neue Vektoren (z.B. Aedes albopictus = Tigermücke) in Deutschland heimisch werden. In den letzten 10 Jahren gab es in Kroatien, Frankreich, Spanien, und Italien Dengue-Fieber Fälle, also Krankheitsfälle bei denen Menschen durch Mückenstiche von der Tigermücke in Europa mit Dengue-Fieber infiziert wurden. Neben dem Vorhandensein passender Vektoren (z.B. Mücken) müssen auch die Temperaturen im Sommer hoch genug sein, damit sich die Erreger in den Vektoren vermehren können, was zunehmend der Fall sein wird. Im Kapitel „Infektionskrankheiten“ finden Sie hierzu mehr Informationen.
- Vermehrung wasserbürtiger Infektionen: Für Deutschland ist insbesondere die Hitze-bedingte Zunahme von Cyanobakterien und Vibrionen in Badegewässern für die Gesundheit relevant, da es zu Hautausschlägen und Wundinfektionen kommen kann [5]. Vereinzelt wurden für immunsupprimierte Patientinnen und Patienten auch tödlich verlaufende Septitiden berichtet.
- Lebensmittelbedingte Probleme: In den letzten Jahren waren die in Deutschland gemeldeten Fälle von Infektionen mit Salmonella enterica und Campylobacter jejuni relativ stabil trotz zunehmender Hitzewellen. Man geht davon aus, dass dies auf die strengen Regularien für den Umgang mit Lebensmitteln in der europäischen Union zurückzuführen ist [6].
- Antimikrobielle Resistenzen: Durch höhere Temperaturen und sich ändernde Lebensbedingungen im Klimawandel wird die Bildung von antimikrobiellen Resistenzen gefördert [7].
- Psychische Belastung: Durch Extremwetterereignisse, Naturkatastrophen, zunehmende Belastungen und Bedrohungen (z.B. Nahrungsmittelunsicherheit, Migration, Stress) erhöht der Klimawandel die Vulnerabilität für diverse psychische Erkrankungen [8]. Im Kapitel „Psychische Gesundheit“ finden Sie hierzu mehr Informationen.
Soziale Faktoren
Soziale Faktoren wie Alter, Geschlecht und sozioökonomischer Status beeinflussen, in welchem Ausmaß Menschen von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind. So ermöglicht ein guter sozioökonomischer Status beispielsweise bessere Anpassung an heiße Tage und Hitzewellen durch den Einbau einer Klimaanlage. Unterschiede hinsichtlich sozialer Faktoren werden jedoch wiederum durch den Klimawandel verstärkt. Zum Beispiel können Stürme für Menschen, die sich keine Versicherung ihrer Immobilie leisten können, längerfristige negative Auswirkungen für den sozioökonomischen Status haben.
Referenzen:
- Herrmann, A., et al., [Epidemiology and prevention of heat-related adverse health effects on elderly people]. Z Gerontol Geriatr, 2019. 52(5): p. 487-502.
- Fontalba-Navas, A., et al., Incidence and risk factors for post-traumatic stress disorder in a population affected by a severe flood. Public Health, 2017. 144: p. 96-102.
- European Environment Agency, Air quality in Europe — 2020 report. 2020.
- El Ghissassi, F., et al., A review of human carcinogens—part D: radiation. The lancet oncology, 2009. 10(8): p. 751-752.
- Stark, K., et al., Die Auswirkungen des Klimawandels – Welche neuen Infektionskrankheiten und gesundheitlichen Probleme sind zu erwarten? Bundesgesundheitsblatt-Gesundheitsforschung-Gesundheitsschutz, 2009. 52(7): p. 699-714.
- Lake, I.R., Food-borne disease and climate change in the United Kingdom. Environ Health, 2017. 16(Suppl 1): p. 117.
- https://healthcare-in-europe.com/en/news/amr-climate-change-a-worrying-dual-threat-to-global-health.html, aufgerufen am 13.7.23
- Walinski A, S.J., Gerlinger G, Clemens V, Meyer-Lindenberg A, Heinz A, The effects of climate change on mental health. Dtsch Arztebl Int, 2023.
Fakten und Begrifflichkeiten, die man kennen muss, um den Zusammenhang von Klima und Gesundheit zu verstehen.
Wo findet das alles statt?
In der Atmosphäre, die die Hülle ist und die Erde umgibt. Sie hat verschiedene Abschnitte, in denen unterschiedliche Dinge passieren.
Die unterste Schicht ist die Troposphäre. In der Troposphäre finden wir die Treibhausgase, von denen CO2 das bekannteste ist, obwohl es noch viele andere gibt.
Wir alle kennen das Ozonloch, welches sich in der Schicht darüber, in der Stratosphäre, befindet.
Dann gibt es natürlich noch andere Schichten, wo man das Nordlicht, Satelliten, Meteoriten findet.
All das ist Teil der Athmosphäre.
Aber der Klimawandel findet in der untersten Schicht statt, in der Troposphäre.
Nun verwechseln viele Menschen Wetter und Klima. Das ist ein häufiger Fehler, weil beide auf den gleichen Variablen aufbauen.
Es geht um Temperatur und Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Niederschlag, Sonnenstrahlung, Rückstrahlung – auch Albedo genannt – Windrichtung und Windstärke, Wolken und Aerosole.
Sie alle machen das Wetter, aber das Wetter – und das ist die wichtige Unterscheidung, die man machen muss – ist der aktuelle Zustand der Atmosphäre.
Wenn wir jetzt aus dem Fenster schauen – das ist das Wetter.
Das Klima hingegen ist der Durchschnitt des Wetters über einen langen Zeitraum. 10 bis 20 Jahre, um genau zu sein.
Der Klimawandel vollzieht sich also über Jahrzehnte.
Viele Leute sagen Dinge wie: „Sie können nicht einmal das Wetter für drei Tage vorhersagen, wie können sie dann das Klima für drei Jahrzehnte prognostizieren?“
Das ist falsch, weil sie den Unterschied nicht verstanden haben.
Es ist viel einfacher, einen langfristigen Durchschnitt zu prognostizieren, als das Wetter für jeden einzelnen Quadratmeter auf dem Planeten vorherzusagen. So viel zu den Variablen.
Man muss verstehen, dass wir eine sich verändernde Durchschnittstemperatur haben, es wird langsam wärmer. Und während es wärmer wird, werden natürlich die Extremtemperaturen größer.
Gleichzeitig, und das ist es, was die meisten Leute nicht wissen, wird diese Verteilung (Gaußsche Verteilung) flacher, sie wandert also nicht nur nach rechts, sondern sie wird auch flacher.
Sowohl die moderaten Extreme als auch die absoluten extremen Extreme werden enorm zunehmen und es werden keine oder nur sehr wenige Kälteextreme zu verzeichnen sein.
Ein weiterer Mythos, vor dem zu warnen ist, ist dass der Klimawandel überall in gleicher Weise stattfindet.
Das Szenario ohne Klimapolitik bis zum Ende des Jahrhunderts ergibt, dass es dort, wo es bereits kalt ist, der Gradanstieg noch viel höher, bis zu zehn Grad ausfallen wird.
Das ist der Grund, warum wir das Grönlandeis und den Nordpol schmelzen sehen.
In der Regel ist also an Punkten extremer Höhe (zum Beispiel im Himalaya) und extremer Breite (in Richtung der Pole) im Vergleich zu den Ozeanen und dem Land der Temperaturanstieg unterschiedlich ist.
Man sieht, dass Deutschland oder Europa relativ wärmer sind als der globale Durchschnitt.
Wir sind in Deutschland schon bei 2 ° und das liegt natürlich daran, dass wir ziemlich im Norden sind. Die Niederschlagsverteilung ist sprunghafter und es gibt kein klares Muster,
Aber im Prinzip kann man sagen: wo es schon trocken ist, wird es trockener und wo es schon nass ist, wird es zu nass.
In Europa werden die Winter feuchter und die Sommer trockener, was natürlich sehr schlecht für die Landwirtschaft ist.
Zukunftsprojektionen:
Wir werden sehen, dass die Temperatur ohne Klimawandelpolitik durch die Decke gehen werden. Die Temperatur stabilisiert sich nicht irgendwann.
Während die Temperatur bis zum Ende des Jahrhunderts etwa 4 ° C beträgt, würde sie demnach bis zum Ende des 23. Jahrhunderts irgendwo über 12 ° C liegen.
Es gibt also keine Möglichkeit, dass sich Klimawandel stabilisiert, wenn es keine Verringerung der Emissionen gibt.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass der Klimawandel nicht umkehrbar ist.
Die größten Katastrophen, sogar Weltkriege, gehen irgendwann einmal zu Ende und wir können mit dem Wiederaufbau beginnen. Beim Klimawandel ist das anders.
Wenn die Treibhausgase einmal in die Atmosphäre gelangt sind, bleiben sie dort für Hunderte von Jahren. Als Konsequenz wird klar, dass wir dafür sorgen müssen, dass wir unsere Emissionen reduzieren.
Die einzige Kurve, mit der wir unter den Vorgaben des Pariser Abkommens (also unter 1,5 Grad) bleiben, ist das niedrigst mögliche Szenario. Das erfodert große Anstrengungen!
Obwohl die Szenarien nach hundert Jahren, wenn unser Kinder und Enkelkinder auf diesem Planeten leben, weit auseinander gehen, wird bis zum Jahr 2050 noch kein großer Unterschied erkennbar sein.
Es ist also sehr schwierig, mit unseren eigenen Augen zu erkennen, auf welchem Weg wir uns befinden.
Die Unterschiede sind bis 2050 nicht leicht zu spüren.
Was wir aber sehen und spüren, sind die Extremereignisse schon jetzt, auch in Deutschland, auch in Frankreich, auch in der Schweiz, zum Beispiel die Zunahme von Hitzewellen, von Überschwemmungen, von langanhaltendem Regen. Das können wir schon deutlich beobachten.
Wir müssen also alle an einem Strang ziehen, um nicht über 1,5 Grad hinauszukommen – insbesondere als Ärzt:innen.
Denn die gesundheitlichen Auswirkungen sind die wichtigsten Folgen des Klimawandels.




